Die Seidenstrasse


Eine entscheidende politische Voraussetzung für die vollständige Öffnung des östlichen Endes der Seidenstraße war die chinesische Expansion nach Westen. Unter dem Kaiser Wudi (141-87 v. Chr.) verdoppelte sich nahezu die Größe des Han-Reiches. Er reagierte auf Grenzbedrohungen mit der Eroberung der feindlichen Gebiete. Seine Armeen drangen weit nach Norden, Süden und Westen vor und unterwarfen zahlreiche angrenzende Staaten. Der Sieg über die Xiongnu brachte endgültig die Kontrolle über Zentralasien. Wudis Truppen nahmen Pamir und Ferghana in Besitz und so konnten die Handelswege zwischen China und dem Westen geöffnet werden. Der Handel entlang der Seidenstraße florierte und überschwemmte die Hauptstadt des Han-Reiches mit westlichen Reisenden und Luxusgütern.

Über die Wege und Pfade der Seidenstraße hat seit jeher ein reger Austausch von Gütern, Kulturen und Religionen stattgefunden, von Techniken und Kunststilen. Ihre Verbindungen sind seit fünftausend oder sechstausend Jahren oder noch länger eine Art Schicksalsweg des eurasischen Kontinents – die älteste Handels-, aber auch Völkerverbindung der Welt.

Staub und flimmernde Hitze, Kamelkarawanen, Sand und Pferdeherden, dazwischen die Rufe und Gesänge der Treiber in allen Sprachen Eurasiens: Davon war das Leben auf den legendären Handelswegen quer durch den eurasischen Kontinent jahrtausendelang geprägt. Sie sind die längsten und ältesten Straßen der Welt. Von China bis zum Mittelmeer und von Sibirien bis zum indischen Subkontinent reichen die historischen Verbindungen der „Seidenstraße“ schon seit der Bronzezeit.

Ihren Namen hat sie erst im 19. Jahrhundert durch den deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen bekommen. Dahinter steckte die Vorstellung von einem Handelsweg für Luxusgüter aus Ost- und Zentralasien, auf dem Gewürze und Seide nach Europa gelangten. Manchmal brauchten die Karawanen Monate und Jahre, bis sie wiederkehrten. Auf ihrem Weg zurück brachten sie Gold, Silber, Elfenbein, Jade, Trauben und Wein mit, außerdem europäische Delikatessen wie Feigen und Walnüsse.

Der Begriff Richthofens hat sich eingeprägt. Doch wurden bei weitem nicht nur Seidenstoffe und andere wertvolle Güter transportiert und gehandelt. Auf der „Seidenstraße“ hat sich ungleich mehr abgespielt. Ihren Pfaden sind Pilger gefolgt. Zu den religiösen Ideen, die über die Seidenstraße transportiert wurden, gehörten neben dem Judentum das nestorianische Christentum, der Zoroastrismus, der Manichäismus, der Hinduismus und der Buddhismus. Über diese Wege hat ein reger Austausch von Kulturen und Religionen stattgefunden, von Techniken und Kunststilen. Ihre Verbindungen sind seit fünftausend oder sechstausend Jahren oder noch länger eine Art Schicksalsweg des eurasischen Kontinents – die älteste Völkerverbindung der Welt.